Trauma im Kontext Sozialer Arbeit – eine diskursorientierte Metaphernanalyse
Tonja de Almeida Madeira Clemente
- ISBN Print
- 9783948773328
- ISBN E-Book
- 9783948773335
- Erscheinungsjahr
- 2026
- Seitenzahl
- 76
- 19.99 €
- E-Book
- 8,99 €
„Trauma ist als individueller und sozialer Prozess eine Realität und gleichzeitig als wissenschaftliches Konstrukt eine Erfindung.“ Mit diesem Satz David Beckers eröffnet Tonja de Almeida Madeira Clemente eine Studie, die genau dort ansetzt, wo die Fachdebatten zum Thema Trauma oft aufhören: bei der Frage, wie die Soziale Arbeit selbst über Trauma spricht – und was diese Sprache über ihre professionelle Haltung verrät.
Sozialarbeitende sind täglich mit den Folgen von Traumatisierung konfrontiert: in der Flüchtlingshilfe, der Obdachlosenhilfe, der Suchtkrankenhilfe. Doch wie positioniert sich die Disziplin im wissenschaftlichen Traumadiskurs? Folgt sie der individualisierenden Perspektive der Psychotraumatologie, die das Leid ins Subjekt verlagert? Oder gelingt es ihr, den gesellschaftlichen Entstehungskontext von Traumatisierung sichtbar zu halten?
Diesen Fragen nähert sich die Autorin mit einem methodisch ungewöhnlichen und erkenntnisreichen Ansatz: der Kombination aus wissenssoziologischer Diskursanalyse nach Keller und Metaphernanalyse nach Schmitt. Metaphern in der wissenschaftlichen Fachliteratur zu Trauma und Sozialer Arbeit werden dabei nicht als bloße Stilmittel gelesen, sondern als Deutungsmuster – als sprachliche Verdichtungen von Machtverhältnissen, Rollenzuschreibungen und professionellen Selbstverständnissen.
Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Fünf komplexe metaphorische Konzepte lassen sich rekonstruieren – von einer Metaphorik der Ökonomisierung, die Traumaarbeit als Marktprodukt rahmt, über eine Metaphorik der Hierarchisierung, die Soziale Arbeit der Medizin unterordnet, bis hin zu einer Metaphorik der Dekontextualisierung, die den gesellschaftlichen Entstehungskontext von Traumatisierungen systematisch ausblendet. Was im Traumadiskurs sprachlich hervorgehoben wird – und was dadurch unsichtbar bleibt – hat unmittelbare Konsequenzen für die Praxis.
Die Arbeit richtet sich an Fachkräfte und Studierende der Sozialen Arbeit, die ihre eigene Diskursposition reflektieren wollen, sowie an alle, die sich für qualitative Sozialforschung, Diskursanalyse und die Theoriebildung einer kritischen Sozialen Arbeit interessieren.
Tonja de Almeida Madeira Clemente hat Soziale Arbeit studiert und sich in dieser Publikation intensiv mit der Schnittstelle von Traumaforschung, Diskurstheorie und professioneller Identität der Sozialen Arbeit auseinandergesetzt.
